Offener Brief des Regionalverbandes Rhein-Sieg

|

Der Regionalverband hat in einem offenen Brief "Anregungen zum Nahverkehrsplan 2011 der Stadt Köln" veröffenlticht.
1. Abend- und Nachtverkehr

Die Aktivitäten großer Teile der Bevölkerung verlagern sich zunehmend in die Nach-stunden. Häufig ist bis nach Mitternacht ein hohes Fußgängeraufkommen in vielen Teilen der Innenstadt zu beobachten. Deshalb sollte
  • der 15-Minuten- Takt der Stadtbahnen, die die Innenstadt durchqueren bis 0:30 Uhr ausgedehnt werden,
  • an Wochenenden in den Nächten Freitag/Samstag und Samstag/Sonntag auf wichtigen Durchmesserlinien der Stadtbahn ein durchgehender Halbstunden-verkehr eingerichtet werden.
  • Zur Entlastung des starken Nachtverkehrs auf den Ringen und als Zubringer zu den Durchmesserlinien sollte geprüft werden, ob nicht zusätzlich eine Linie eingerichtet werden kann, die zwischen Reichensberger Platz und Ubierring pendelt. Für eine Zeitraum von etwa 5 – 6 Jahren könnte eine solche Linie noch mit Hochflurwagen (+ ausklappbarer Trittstufe) betrieben werden.

2. Anschluss – Sicherung

Nachdem in den vergangenen Jahren die innerstädtischen Busnetze, aufgeteilt in die vier Teilnetze Linksrheinisch-Nord und –Süd sowie Rechtsrheinisch-Nord und –Süd, überprüft wurden, sollten im kommenden Nachverkehrsplan die Anschlüsse und die Übergangszeiten optimiert werden.

  • Beim 15-, 20- und 30- Minuten Verkehr sind häufig die Übergangszeiten zu knapp, zum Teil aber auch unnötig lang. So liegt z.B. am Sonntag die Abfahrt der Linie 9 in Ostheim auf der gleichen Minute wie die Ankunft des Zubringer-busses 157. Oder: Am Samstag fährt der Krankenhausbus 158 eine Minute vor Ankunft des Busses 157 aus Holweide ab.
  • An Werktagen sollten beim Übergang vom 10-Minuten- auf den 15-Minuten-Takt „Löcher“ im Fahrplan vermieden werden. Hier wird manchmal ein Kurs gestrichen, so dass lange Wartezeiten entstehen. Diese Löcher fallen in der Regel in den Zeitraum 19:30 bis 20:30 Uhr, eine Zeit, in der ein starker Rück-flussverkehr stadtauswärts besteht. (Z.B. fährt zwischen 20:03 und 21:00 Uhr die Buslinie 152 ab Ostheim nicht.)
  • Dort, wo Stadtbahnlinien und Anschlussbusse in einem unterschiedlichen Takt fahren, sollten die Stadtbahnen mit Anschluss entsprechend gekennzeichnet werden (im Fahrplan und/oder im Zugzielschild).


3. Information

In den vergangenen Jahren wurden die Stadtbahn- und die Bushaltestellen (teilwei-se) mit Informationsgebern über die Ankunft der nächsten Linien bzw. Kurse ausges-tattet. Diese Maßnahme ist sehr hilfreich und sollte weitergeführt werden. Bei den In-formationsgebern bestehen noch zahlreiche Unstimmigkeiten, die dringend behoben werden müssen:

  • Die Zeitangaben werden nicht kontinuierlich angezeigt, sondern springen, z.B. von 7 Minuten auf 4 Minuten und dann auf 2 Minuten. 2 Minuten werden im-mer noch angezeigt, während der Bus schon an der Haltestelle steht.
  • Die Information über Störungen sollte verbessert und auch für Bushaltestellen vorgesehen werden.
  • Bei Störungen sollte alternative Routen angeboten werden (per Lautsprecher).
  • Dort, wo Busse in der Gegenrichtung eine andere Straße befahren, sollten an den Haltestellen Hinweise möglichst mit Skizze (über den Weg zur Haltestelle der Gegenrichtung) angebracht werden.


4. Einzelmaßnahmen
 

4.1 An Samstagen sollte aufgrund des erheblich angestiegenen Einkaufsverkehres ein 10-Minuten-Takt von 10 bis 20 Uhr eingerichtet werden.

4.2 Auf stark belasteten Linien (zum Beispiel Linie 9) werden in den Hauptver-kehrszeiten zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt. Diese sollten auch im Fahrplan ausgewiesen werden, um eine     bessere Nutzung zu gewährleisten.

4.3 Der Neumarkt ist als ein zentraler Knoten mit wichtiger Verteilerfunktion im ÖPNV und auch im Individualverkehr dieser Aufgabe nicht mehr gewachsen. Ständige Verspätungen der Stadtbahnen – insbesondere in West-Ost Richtung – sind die Folge. Die Funktion dieses Platzes muss nach Auffassung von PRO BAHN grundsätzlich überdacht werden. Keinesfalls sollte man Lösungen mit dem Argument einer künftigen West-Ost U-Bahn aufschieben. Kurzfristig sollte man im Rahmen eines künftigen Nahverkehrsplan prüfen,

1. ob ein Teil des Individualverkehr verdrängt werden kann, so dass für die Hal-testellen der Stadtbahnen mehr Raum zur Verfügung steht,
2. ob die Stadtbahnhaltestellen soweit verlängert werden können, dass jeweils zwei Züge pro Richtung gleichzeitig abgefertigt werden können (Doppelhalte-stellen). Dabei müsste in den Wartebereichen durch die Informationsgeber an-gezeigt werden, in welchem Haltestellenabschnitt die einzelnen Züge abgefer-tigt werden, um unnötige und gefährliche Längsbewegungen der Fahrgäste im Halltestellenbereich zu vermeiden.
3. ob eine/die Vorrangschaltung für die Stadtbahnen eingerichtet bzw. verbes-sert werden kann.

4.4 PRO BAHN befürwortet die teilweise Inbetriebnahme der Nord-Süd in Stadtbahn auch in getrennten Abschnitten, da dadurch ganz
besonders der gute Wille von Stadt und KVB verdeutlicht wird.

4.5 Der Bahnhof Köln Süd kann aufgrund unzureichender Infrastruktur seine Funk-tion als Verknüpfungspunkt von Eisenbahn und Stadtbahn nur teilweise erfül-len. Hier muss dringend ein Zugang von der Zülpicher Straße zu den Gleisen 1 und 2 errichtet werden. Insgesamt muss der Bahnhof (wie viele andere) behin-dertengerecht nachgerüstet werden.

4.6 Der Schneeräumdienst an Haltestellen muss in den kommenden Jahren
erheblich verbessert werden. Die Verantwortung dafür muss eindeutig
festgelegt werden. Dort, wo keine Anlieger vorhanden sind, darf sich die
Räumung nicht allein auf die Wartefläche an der Haltestelle erstrecken,
sondern muss auch die Zuwege einbeziehen.

4.7 Bei der Haltestelle Neusser Straße/Gürtel wurde vor über einem Jahr mit
Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten begonnen. Seit dem Bau der
Haltestelle fehlt jedoch ein direkter Ausgang von der Hochbahn ohne Umweg über die Verteilerebene. Nicht allein mit Blick auf die Verknüpfung mit dem Busverkehr muss hier dringend nachgerüstet werden.

Ansprechpartner

Klaus Groß
Werkstattstr. 15
50733 Köln


Kommentare


Einen Kommentar schreiben